„Denen ne Mark und denen ne Mark!“, höre ich meinen Papa scherzen, lange her, sein Mund breit vor Lachen, die Augen groß in der (berechtigten) Erwartung, die anderen würden gleich mit einstimmen. Es ist ja auch zu komisch, dass dieses Land im Norden (von dem ich nie wirklich, also nie so wirklich richtig wusste, wo es liegt) unsere (!) Währung (und selbst eine ganz andere habend!) und dann noch so ein vermeintliches Dativpronomen im Namen hatte. Da muss man doch einen Witz draus machen. Rechtzeitig. Denn: „Denen-neneuro“ klingt dann auch nicht mehr nach Skandi-Land, sondern eher so nach … Nervenheilkunde.

Dänemark also.

Lange für mich ein Pah-Land. Ein „Pah, warum fährt man dorthin nur in den Urlaub?“-Gebiet. Was soll man an der dänischen Ostseeküste, wenn man den Darß (Ahrenshoop!) hat, Fehmarn, Usedom. Was auf Rømø, wenn es doch Sylt, Amrum, St. Peter-Ording gibt. Man muss (auch weiterhin) Geld wechseln, ist von einer anderen Sprache irritiert, die man nicht spricht, noch nicht mal annähernd, noch nicht mal auf „Arriverderci!“–„Graçias!“–„Sajonara!“-Niveau (und allein mit der Vokabel Hygge! kommt man nicht weit, weder bei Begrüßung noch beim Abschied), also warum überhaupt der ganze Aufriss?

Ich habe es nie verstanden,
und dieses Jahr mache ich Urlaub auf Bornholm.
Das ist nun mein ganz persönlicher Dänemarkwitz.

Der Mann (der Mann, der wert ist, manche Leser von Euch kennen ihn schon von hier und natürlich von hier) hat gesagt, das könnten wir mal tun, uns diese Insel anschauen, alles andere kennen wir ja schon (was nicht ganz stimmt, aber der Mann ist im Urlaubsfieber, die Augen leuchten, da mag ich nicht stören), und ja, sagt er noch, man muss dann irgendwie mit der Fähre…, und es ist nicht ganz einfach…, aber.

Ha. Ich ahne.
Sieben Jahre mit ihm zusammen, da rieche ich doch das Smørrebrød!

Es ist ihm eine innere Herausforderung, dem Mann, die komplizierte Anfahrt und die Rückfahrt zu wuppen. Fähren? Brücke 1? Brücke 2? Wär doch gelacht, denkt der Mann, denke ich, und das sagt schon viel über unsere Beziehung. Ich seh sie schon mit den Augen rollen, die Bornholmer, den Schrecken im Blick: Die Teutonen kommen. Wieder welche, die alle Widerstände überwinden wollen, um uns hier heimzu- also – zu besuchen.

Mein ganz privater Teutone, bereits tief versunken in Booking.com-Seiten, widerspricht. Es gehe ihm schon auch um die Landschaft, die dänische Südsee, die tollen Surfbedingungen. Wir knobeln also herum: Wie kommen wir hin? Fähre von Rügen aus? Oder diese knapp 3-Stunden-Tour lieber für die Rückfahrt wählen? Oben rum? Über ha, ich sags ja: Fehmarn? Sich irgendwie nach Ystad durchschlagen, um sich dann dort, klammheimlich, uuuh, mit der Fähre nach Bornholm abzusetzen? „Du hast zu viel Wallander-Krimis gesehen“, sagt der Mann, und er hat recht.

Und schon startet der erste Disput dieses Urlaubs (ja, noch bevor dieser begonnen hat): Ich will mindestens drei Stunden in Ystad haben. Durch diese Straßen will ich bummeln. Wallander-Luft schnuppern, mir vorstellen, wie der Kommissar, dessen Geschichten Henning Mankell erdacht und aufgeschrieben hat, hier wandelt. Wir könnten sogar hier übernachten, schwärme ich, nachdem ich die Seite VisitSkane gefunden habe. Das Haus, das im Film als Polizeistation diente, ist, ich bekomme Schnappatmung. Jetzt. Ein HOTEL!

Der Mann rollt mit den Augen, das kann er schon mal genauso gut wie (vermeintlich) die Dänen, das muss ich ihm lassen. Das klamüsern wir noch aus, schiebe ich hinterher, weiß natürlich, dass ich am Ende meinen Willen bekomme, denn Argumente auffahren, das kann ich mindestens so gut wie Staatsanwältin Katarina Ahlsell (und ja, es ist amtlich, ich hab zu viel Wallander-Filme geguckt).

Du hast doch schon deine Saga-Experience, sagt der Mann, und ich staune, dass er sich den Namen gemerkt hat. Aber ja, er hat ja recht! Die Øresundbrücke! Die Brücke, Bron, die Dänemark und Schweden verbindet, und die so markant ist, dass gleich eine ganze vierstaffelstarke Serie nach ihr benannt wurde (die grandios ist, aber ich mache keine Werbung hier, und wenn, dann nur unbezahlte), über die werden wir fahren, und ich werde ein bisschen Saga Norén spielen, die wunderbare neurodivergente Kommissarin, werde genauso so entrückt gucken wie sie, ein schmallippiges „ja“ oder „nein“ antworten, wie nur sie es kann, kein Wort zu viel, warum auch, ach, es wird herrlich. (Der Mann lacht innerlich, denn seine Frau, schmallippig, ha. Haa.)

Aber: „Alles klar“, sagt der Mann (immerhin ein Wort mehr, als Saga so gemeinhin rausbringt), dann braucht’s ja kein Ystad mehr.

Mist, ich hab nicht aufgepasst. Was hab ich mich auch nicht bremsen können… Zwei Serienplaces durchboxen, das wäre nun wirklich zu viel verlangt. Gut, dass ich ihm nicht erzähle, dass die TV-Reihe „Borgen“ (unbez. Werbung) doch in Kopenhagen spielt…

Aber merkt ihr es? So langsam kommen doch noch mehr Verknüpfungen in Sichtweite!

Dann wollen wir doch mal ein Listchen anlegen, ein Listacle. Was wissen wir so über Dänemark? Und wir schaffen wie es, alles, was wir denken zu wissen, gedanklich von Schweden zu unterscheiden? Denn: Sind wir uns wirklich so sicher, aus welchem der zwei Länder beispielsweise Nils Holgersson kommt? Oder das berühmte und schon erwähnte Smørrebrød? Oder der Hygge-Trend? Die FiKa? Madds Mikkelsen? Und was ist mit Henrik Ibsen, Tove Ditlevsen, Tove Jansson, und von wem waren die Mumins?
Auseinanderklamüsern, ja. Dann legen wir doch mal los.

Ich werfe in den Ring:

Kopenhagen, das war einfach. Ein Königshaus. Doch wer logiert da? Und wo genau? In einem Schloss? Einem Palace?
Mir kommt in den Sinn: Tivoli, und: Die kleine Meerjungfrau. Hans Christian Andersen.
In der EU, in der Nato.
Die Währung aber: Kronen, dänische.
To be continued… Ich lege ja erst los.

Der Witz (schon wieder einer!) ist ja auch der, dass wir, um nach Bornholm zu kommen (Häuschen ist gebucht, Vorfreude steigt), eine ganze Ecke hoch durch Dänemark fahren, dann abbiegen, über Landschaften, die auf der Karte wie Halbinseln (oder Inseln? noch recherchieren!) Richtung Hauptstadt fahren. Dort übernachten. Dann ÜBER DIE ØRESUNDBRÜCKE (*klapp in die Hände) nach Schweden fahren, das schwedische Malmø passieren, ins schwedische YSTAD (*klapp again!) fahren, und dort auf die Fähre wieder zurück nach Dänemark. Ist das nicht verrückt? Schatz, ist das nicht total verrückt? Der Mann – unbeeindruckt. Ist halt, wie es ist. Er sagt noch: „Ich glaube, Du solltest jetzt mal langsam packen.“

Selten schmallippig antworte ich: „Ja.“